Archive for Oktober, 2011

The Night before Halloween

Sonntag, Oktober 30th, 2011

Da die Nacht vor der Nacht, die Halloween sein wird, bereits angebrochen ist, und ich auf www.allhallowsread.com hingewiesen habe, ist es wohl nur fair, ebenfalls eine Geschichte zu verschenken. Die Geschichte, die ich im Sinn habe, ist klein und etwas gemein (und typisch für Geschichten, die man sich in der Nacht vor der Nacht, die Halloween sein wird, erzählen kann). Sie heißt

 

Die Tür

 

 (ich habe sie heute Nachmittag, als es noch hell war, geschrieben – und jetzt schleicht sie sich in den Blog, zu Kürbiskopflicht und Herbstnachtrauschen) und sie geht so:

 

Alle sagen sie, dass ich die Tür nicht öffnen darf. Aber so sind Erwachsene eben, oder?

 

„Wenn du die Tür öffnest, dann holen sie dich.“

„Wer?“

„Die, die hinter der Tür sind.“

 

Auch die anderen Kinder kennen die Geschichten von den Türen. Manchmal sind sie da, manchmal nicht. Aber jeder hat sie schon einmal gesehen. Meistens bei sich daheim.

 

„Meine Eltern haben es auch gesagt. Man darf die Türen, wenn man sie findet, einfach nicht aufmachen.“

„Wegen der Dinge, die dahinter sind.“

„Und wenn doch?“, habe ich gefragt.

„Dann bist du selbst schuld.“

„Was machen sie dann mit mir?“, habe ich gefragt. Keine Ahnung, wer „sie“ sein sollen.

„Sie fressen dich.“

„Wenn du Glück hast.“

„Und wenn du Pech hast.“

„Dann tun sie etwas Schlimmeres.“

„Okay“, ist alles, was ich dazu sage.

 

Aber: ich denke darüber nach.

 

Denn: Meine Freunde kennen alle eine Tür wie diese. Die meisten haben sie aber nicht geöffnet. Behaupten sie jedenfalls.

 

„Wir hatten Angst“, sagen sie.

„Wovor?“

„Vor dem, was hinter der Tür ist.“

 

Ich habe mit Freddy darüber gesprochen. Freddy sitzt in der Schule neben mir. Wir besprechen alles. Außerdem mag er Gruselfilme. So wie ich.

 

„In den Filmen öffnen sie manchmal Türen wie diese“, sagt er in der Pause.

„Ja“, antworte ich. Denn es ist Pause und heller Tag und die Tür ist weit weg.

„Könnte interessant sein.“

„Ja.“

„Also?“

„Mal schauen.“

 

Am Nachmittag stehe ich lange Zeit vor der Tür. Sie sieht nicht aus, wie etwas, wovor man sich fürchten muss. Eine normale Tür eben. Sie ist aus Holz, mit einem silbernen Griff. Ich glaube nicht, dass sie abgeschlossen ist.

 

„Nicht alle Türen, die man nicht öffnen sollte, sind abgeschlossen.“ Das hat mein Vater gesagt.

„Du wirst es bereuen, wenn du nicht auf uns hörst.“ Das hat meine Mutter gesagt.

„Ist schon gut.“ Das habe ich gesagt.

 

Das war vor zwei Wochen. Heute ist Halloween. Freddy ist hier. Wir waren Süßigkeiten sammeln. Freddy ist als Vampir verkleidet und ich als Mumie.

 

Wir stehen vor der Tür. Sie befindet sich im ersten Stock. Außer uns ist niemand im Haus.

 

„Du oder ich?“, fragt Freddy.

„Ich.“ Jeder von uns hat eine Taschenlampe dabei. Für alle Fälle, man weiß ja nie.

„Na, dann eben du.“

„Okay.“

 

Mutig trete ich vor. Meine Hand berührt die Klinke. Sie ist kalt. Ich drücke sie herunter. Etwas macht ein Geräusch. Etwas, das dahinter ist? Vermutlich aber nur die Tür selbst.

 

„Sie ist wirklich offen“, stelle ich fest.

Freddy tritt neben mich. „War doch klar“, sagt er.

 

Die Tür öffnet sich einen spaltbreit. Die Luft riecht komisch. Wie altes Essen, nur anders.

 

„Und?“

Ich zögere.

Freddy wird ungeduldig. „Lass mich vorgehen.“

 

Er schiebt mich zur Seite und öffnet die Tür ganz.

 

Es ist dunkel in dem Raum, der hinter der Tür liegt. Freddy sieht mich an, dann geht er mit der Taschenlampe hinein.

 

Ich höre seine Schritte. Sie sind ganz weit weg. Die Taschenlampe wird zu einem kleinen Punkt.

 

„Freddy?!“ Nichts!

Nur Wind, aus der Ferne.

 

Dann geht die Taschenlampe in der Tiefe des Raumes hinter der Tür aus und ich höre, wie Freddy zu schreien beginnt. Die Schreie entfernen sich immer weiter, als würden sie mitten in die Dunkelheit fallen. Als würde etwas ihn nach hinten ziehen.

 

Dann ist es still.

 

Ich zittere. Die Taschenlampe in meiner Hand ist nicht eingeschaltet. Ich habe Angst.

 

„Freddy?!“ Meine Stimme ist viel zu leise.

Nicht einmal der Wind antwortet mir.

 

Dann schließe ich die Tür. Langsam, vorsichtig. Damit niemand es hört. Wenn man sie von außen öffnen kann, dann kann man sie bestimmt auch von der anderen Seite öffnen.

 

Ich warte. Starre die Tür an.

 

Irgendwann muss er ja zurückkommen. Oder?

 

Draußen ist es still. Die Zeit vergeht.

 

Plötzlich bemerke ich, dass die Klinke sich bewegt. Ich hoffe, es ist Freddy. Nichts anderes.

 

Ende

Halloween 2011

Darüber hinaus kann man in der Bibliothek die neuen Cover von LYCIDAS, LILITH und LUMEN bewundern (sie kommen dem ersten Entwurf des LYCIDAS-Covers, der damals verworfen wurde, sehr nahe).

Auf dem Lesetisch: „Noho“ von James Davis und (einfach wunderbar) „Die große Wörterfabrik“ von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo. Und morgen, an Halloween, wie gesagt „October Dreams“ (wie jedes Jahr).

Zurück nun zu der Geschichte, die gerade entsteht (ebenfalls zu Kürbiskopflicht und Herbstnachtrauschen – und der Musik von Tori Amos).

Tipptipptipp …

All Hallows Read

Mittwoch, Oktober 26th, 2011

Eine schöne neue Tradition, die auf eine Idee von Neil Gaiman zurückgeht: „All Hallows Read“ – verschenkt an Halloween ein gruseliges Buch, neu oder gebraucht, modern oder klassisch, für Erwachsene oder Kinder, was auch immer … etwas, das man beim Kerzenschein, der aus Kürbisaugen flackert, lesen kann, während draußen die Geister durch die Nacht streunen und ihre eigenen Schreie mit leckeren Süßigkeiten dämpfen …

Mehr dazu gibt es hier:  www.allhallowsread.com (etwas, das vielleicht auch bei uns zu einer schönen neuen Tradition werden kann).

Muss ich erwähnen, dass ich das Buch, aus dem ich jedes Jahr nicht mehr als zwei Kurzgeschichten lese (die wunderbare Anthologie „October Dreams“, herausgegeben von Richard Chizmar und Robert Morrish) , noch immer nicht beendet habe?! (Vor neun Jahren habe ich diese persönliche Tradition begonnen, und, gemessen an der Anzahl der Kurzgeschichten und Halloween-Erfahrungsberichte, die sich darin befinden, werde ich es wohl erst in neunzehn Jahren beenden – rechtzeitig zu meinem 60. Geburtstag – auch ein Gedanke, der zum nahenden Halloween passt).

Im herbstlichen Zwielicht …

Dienstag, Oktober 25th, 2011

Seit nunmehr einiger Zeit bin ich zurück aus Ibiza, wo es selbst im Oktober noch warm und wunderbar ist (und ich festgestellt habe, dass mein Trainer – „Fat Burning Circuits“ – James Davis ebenfalls schreibt – sein erster Roman, eine Crime Noir-Story mit dem Titel „NoHo“, ist soeben in England erschienen). Es gibt wirklich keine Zufälle …

Was es Neues gibt?

Nicht viel. Ich arbeite an einer neuen Geschichte und lausche der Musik von Tori Amos („Night of Hunters“ ist einzigartig, betörend und magisch und wie der Herbst selbst), Anna Deepenbusch (noch immer die Mathematik, diesmal aber in Schwarzweiß) und Danny Elfman („Serenada Schizophrana“) – und es sieht so aus, als würde die Geschichte genau so aussehen …

Auf dem Lesetisch: „In other Worlds“ von Margaret Atwood („Midwinterblood“ von Marcus Sedgwick habe ich vor ein paar Tagen beendet) und „Eine Frau bei 1000 Grad“ von Hallgrímur Helgason (den ich vermutlich kurz unterbreche, um zu erfahren, was in „The Night Eternal“ von Guillermo del Toro und Chuck Hogan geschieht).

In zwei Wochen erscheint die Taschenbuchausgabe von LYCIDAS mit neuem Cover (die ersten Seiten sowie das neue Nachwort – mit einem Hinweis auf die mögliche Zukunft Emily Laings – kann man schon bei amazon lesen). LILITH und LUMEN werden dann in zweimonatigen Abständen folgen.

Und jetzt?

… schaue ich mir die erste Hälfte von „Die Triffids – Pflanzen des Schreckens“ an (an die klassische Verfilmung erinnere ich mich nur dunkel und bin gespannt).

Mehr die nächsten Tage …

Willkommen im Oktoberland

Dienstag, Oktober 4th, 2011

Passend zum Oktoberlandwetter ist vergangene Woche MEMORY erschienen (Friedhöfe, buntes Laub, geheimnisvolle Dinge – Oktoberland eben).

Darüber hinaus habe ich neue Nachworte zu LYCIDAS, LILITH und LUMEN geschrieben (für die Taschenbuchausgaben – LYCIDAS wird in etwa drei Wochen erscheinen).  Das neue Cover von LILITH werde ich in der nächsten Zeit bei facebook zeigen (ja, derjenige, der dort schreibt, bin tatsächlich ich selbst).

Und sonst? Die Arbeit an der neuen Geschichte schreitet langsam (sehr langsam) voran. Der erste Satz aber ist schon geschrieben; der letzte (so, wie es aussieht) ebenso.

Auf dem Lesetisch: „The Children`s Book“ von Antonia S. Byatt und „The Fear Index“ von Robert Harris. Dazu noch Musik: Rosenstolz (immer wieder) und Anna Depenbusch (diesmal in Schwarzweiß) .

Damit zurück zur Arbeit an der Oktoberland-mäßigen neuen Geschichte …